Interview

Mit Clean-Ups und Kleidertausch für eine müllfreie Zukunft

Im Foodsharing Café Raupe Immersatt treffe ich Dîlan, 27 und Doktorandin der Literaturwissenschaft an der Universität Stuttgart, zum Gespräch über Clean Ups und Müllvermeidung. Im Café Immersatt werden die Getränke auf Spendenbasis verkauft, jeder gibt, was er oder sie kann. Gleichzeitig ist das Café ein Foodsharing Fairteiler, das heißt dort können Menschen kostenlos „gerettete“ Lebensmittel aus einem Kühlschrank holen. Die Lebensmittel stammen zum Beispiel aus Supermärkten, welche die Ware nicht mehr verkaufen können, weil die Kunden und Kundinnen immer höhere Frische-Ansprüche haben. Heute ist ein zusätzliches Event im Café, eine Kleidertauschbörse von Future Fashion. Bei einem Kleidertausch werden mitgebrachte Kleidung gegen „neue“ gebrauchte Kleidung einer anderen Teilnehmerin oder Teilnehmers eingetauscht. Bevor wir uns in die Kleidertauschbörse stürzen, interviewe ich Dîlan bei einem Tee und „Coffee to stay“ zu ihrem Engagement gegen Plastikmüll.

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Wie kamst Du zum Thema Müll und Müllvermeidung und wie sieht das heute aus?

Ich kam vor eineinhalb Jahren durch das „Change Lab“ der Universität Stuttgart, bei dem verschiedene Projekte gefördert werden, zu einem Plastikmüll Projekt. Dort haben wir zum Beispiel gelernt eigenes Besteck mitzunehmen. Seit 5 Jahren kaufe ich auch schon kein Wasser mehr, Wasser sollte man wie Luft nicht kaufen müssen. Also ich trinke überall Leistungswasser an der Universität und auch an den schmuddeligsten Orten. Außerdem beschäftige ich mich über Blogs, Instagram mit viel Do-it-yourself und ich kenne zwei Locations in Stuttgart an denen man unverpackt einkaufen kann. Das ist einmal der Unverpackt-Laden Schüttgut und auch im Bioladen Basic kann man unverpackte Produkte kaufen. Generell versuche ich auch Konsum zu reduzieren, wie bei Kosmetika und natürlich zu einem Kleidertausch zu gehen.

Hast du schon mal an einem Clean Up teilgenommen?

Vom zweiten Clean Up des Cleanup Network von Thomas Venogopal habe ich durch das besagte Projekt der Universität mitbekommen und sogar meine kleinen Geschwister mitgenommen. Seitdem gehen wir so oft wir können zu Thomas’ Clean ups.

Welcher Müll nervt dich besonders?

Mich nerven zum einen die Einweg-Plastik Produkte. Mit Einwegplastik meine ich Coffee-To Go Becher oder Mitnehm-Plastikgabeln, die nur wenige Minuten im Gebrauch sind. Plastik darf nicht per se verteufelt werden, denn ein Plastikteil, das 10 Jahre lang in der Küche verwendet wird, ist okay. Zum anderen Zigarettenstummel und Kronkorken, davon finden wir bei Clean Ups immer am meisten.

Wo wird deiner Meinung nach am meisten unnötiger Müll produziert?

Ich habe gelesen, dass in der Textilindustrie durch das ganze Polyester zu viel Plastikmüll produziert wird. Dann Plastikflaschen, da es in den meisten Ländern kein Pfandsystem gibt und die Lebensmittelindustrie produziert meinem Gefühl nach zu viel unnötigen Plastikmüll.

Welche Projekte in Sachen Müllvermeidung begeistern dich?

Das Projekt Kleidertausch finde ich interessant, weil man damit auch Fashion-Begeisterte ansprechen kann, die sich nicht unbedingt für Nachhaltigkeit interessieren. Aber dann auf den Veranstaltungen automatisch auch über Nachhaltigkeit gesprochen wird. Im Gegensatz zu Clean Ups kann man damit mehr und eine andere Zielgruppe ansprechen. Man sieht es ja hier auf der Kleidertauschbörse, die richtig voll ist. Hier sind ganz junge und auch ältere Frauen.

Nobody‘s perfekt. Was ist deine kleine Müllsünde?

Mein Lieblingsparfüm ist leider in Plastik eingeschweißt und meistens muss da noch ein Duschgel dazu gekauft werden. Auch kaufe ich noch manchmal bei Aldi ein, weil es da günstig ist und wenn da noch Tomaten am Abend in Plastik eingeschweißt sind, kaufe ich die da auch.

Wie stellst du dir eine müllfreie Zukunft vor?

Die müllfreie Zukunft stelle ich mir vor wie damals zu Omas Zeiten. Es ging ja früher auch ohne Einwegplastik. Außerdem weniger Fast-Fashion wie H&M, New Yorker und natürlich mehr Cafés wie dieses.

English version

With clean-ups and clothing exchange for a waste-free future

At the Foodsharing Café Raupe Immersatt I meet Dîlan, 27, a doctoral student of literature at the University of Stuttgart, to talk about clean ups and waste avoidance. At Café Immersatt, drinks are sold on a donation basis, everyone gives what they can. At the same time, the café is a foodsharing fair divider, which means that people there can get “saved” food from a refrigerator for free. The food comes from supermarkets, for example, which are no longer able to sell the goods because their customers have ever-increasing demands for freshness. Today, there is an additional event in the café, a clothes exchange from Future Fashion. In a dress exchange, clothes brought along by a participant are exchanged for “new” used clothes from another participant. Before we jump into the dress exchange, I interview Dîlan over tea and “coffee to stay” about her commitment to plastic waste.
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How did you get to the topic of garbage and garbage avoidance and how does it look like today?

One and a half year ago I came to a plastic waste project through the “Change Lab” of the University of Stuttgart, where different projects are supported. There we learned to take our own cutlery with us, for example. I haven’t been buying water for 5 years now, you shouldn’t have to buy water like air. So I drink water everywhere at the university and even in the dirtiest places. I also do a lot of do-it-yourself via blogs, Instagram and I know two locations in Stuttgart where you can buy unpacked. One of them is the unpacked shop Schüttgut and in the Bioladen Basic you can also buy unpacked products. In general I try to reduce consumption, like with cosmetics and of course to go to a clothing exchange.

Have you ever participated in a Clean Up?

I heard about the second Clean Up of Thomas Venogopal’s Cleanup Network through the aforementioned university project and even took my little brothers and sisters with me. Since then we go to Thomas’ Clean Ups as often as we can.

What kind of trash bugs you the most?

On the one hand, the disposable plastic products annoy me. By disposable plastic I mean Coffee-To Go cups or take-away plastic forks that are only a few minutes in use. Plastic must not be demonized per se, because a plastic part that is used for 10 years in the kitchen is okay. On the other hand, cigarette butts and crown caps, of which we always find the most at Clean Ups.

In your opinion, where is the most unnecessary garbage produced?

I read that in the textile industry too much plastic waste is produced by all the polyester. Then plastic bottles, because in most countries there is no deposit system and the food industry produces too much unnecessary plastic waste.

Which projects in waste avoidance are you enthusiastic about?

I find the clothes exchange project interesting, because you can also use it to appeal to fashion enthusiasts who are not necessarily interested in sustainability. But then, at the events, sustainability is automatically talked about. Unlike Clean Ups, you can reach more people and a different audience. You can see it here on the clothing exchange market, which is really full. There are very young and older women here.

Nobody’s perfect. What’s your little garbage sin?

My favourite perfume is unfortunately shrink-wrapped in plastic and usually you have to buy a shower gel with it. Sometimes I also shop at Aldi because it’s cheap there and if there are tomatoes wrapped in plastic in the evening, I buy them there too.

How do you imagine a garbage-free future?

I imagine the garbage-free future as it was in granny’s time. It used to work without disposable plastic. Also less fast fashion like H&M, New Yorker and of course more cafés like this one.